Stefan Forster – Landschaftsfotograf

CHASING LIGHT – Ein Leben für die Landschaftsfotografie

Mit 18 Jahren brach Stefan Forster auf, um ganz alleine das südliche Hochland von Island zu durchwandern. Mit 36 kg Ausrüstung auf dem Rücken legte er in 13 Tagen 189 km zu Fuss zurück. Mit dabei schon damals: eine Kamera. Zurück in der Schweiz war Forster klar, wohin ihn sein beruflicher Weg führen sollte. Sein Ziel, die Landschaftsfotografie hauptberuflich zu betreiben, verfolgt er seitdem beharrlich und kompromisslos. 

Heute, mit gerade einmal 31 Jahren, ist er einer der besten Landschaftsfotografen Europas und betreibt erfolgreich seine eigene Fotoschule in Wil. 2015 begleitete ihn ein Filmteam nach Island – der Film «Lighthunter» wurde kürzlich im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt und in diesem Sommer kam sein erster grosser Bildband «Chasing Light» auf den Markt. 

Unzählige Reisen haben Forster unter anderem nach Australien, Tasmanien, Tibet, in die Antarktis, Nord-Amerika, Grönland, Indonesien, die Karibik, Namibia, Neuseeland, Mikronesien und zahlreiche europäische Länder geführt – immer auf der Suche nach spektakulärer Natur und dem perfekten Licht.


Unverbrauchte Motive aufspüren

Die Liebe zu Island, dem ersten Ziel Forsters, hat bis heute gehalten. Zahllose Male hat er die Insel seitdem bereist. Um auch zu den hinterletzten, menschenleeren Fotospots von Island vorzudringen, liess sich Forster einen eigenen Superjeep-Camper bauen, welcher nun nebst Island für alle Erkundungsreisen zum Einsatz kommt. In den letzten Jahren hat sich in der Landschaftsfotografie besonders auf Island sehr viel verändert.

Früher war man an vielen Locations ganz alleine, heute sind viele reizvolle Fotospots überlaufen und es wird immer schwerer, zu wirklich einzigartigen Fotos zu kommen. Natürlich gibt es noch zahlreiche, immer abgelegenere Locations zu entdecken, aber «viele Fotografen wollen Bilder von bekannten Motiven, die schon unzählige Male abgelichtet worden sind. Und doch sollen die Bilder neu, unverbraucht und überraschend sein», erklärt Forster das Dilemma.

Neue Perspektiven von Bekanntem

Neben ausführlicher Recherche und guter Planung, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, bedient sich Stefan Forster seit langem besonderer Hilfsmittel: Lange, bevor diese sich in der Breite durchsetzten, setzte Forster schon Multikopter ein, um seine professionelle Vollformat-Fotoausrüstung (aktuell Nikon D810) in die Luft zu bekommen und so Fotos aus Perspektiven zu ermöglichen, die man zu Fuss niemals erreichen könnte. «Der Oktokopter erschliesst mir die dritte Dimension, die dem Fotografen ja von Natur aus nur sehr eingeschränkt zur Verfügung steht», erklärt Forster.

Oft gehört zu Forsters Ausrüstung auch ein Faltkajak. Dieses gerade einmal 22 kg leichte Wasserfahrzeug ermöglicht es ihm, Orte zu erreichen, die für ein grösseres Boot unzugänglich wären – seien es isländische Gletscherseen, die grönländische Küste oder die Sümpfe von Louisiana oder Texas.   

Chancen und Risiken abwägen

Antrieb und Lohn für Forsters Mühen und Risiken sind Fotos von unglaublicher Schönheit. Doch wie weit geht man, was riskiert man – das Abwägen zwischen Chancen auf einmalige Fotos und den damit verbundenen Risiken ist für Forsters Arbeit eine stets präsente Gratwanderung. Trotz bester Planung und Ausrüstung kommt der Fotograf immer wieder in brenzlige Situationen: Zuletzt im April, als er in den chilenischen Anden weitab jeglicher Zivilisation von einem nicht vorhergesagten Schneesturm mit fast 50 cm Schnee und einem Temperatursturz auf -23°C überrascht wurde. 

Nur mit viel Glück und grosser Mühe konnte er sich in einen chilenischen Armeeposten retten und dort das Unwetter überstehen. Um auch in abgelegenen Gegenden Hilfe holen zu können, gehört immer ein Iridium-Satellitentelefon zu Forsters Ausrüstung. Mit diesem kann er nicht nur Hilfe rufen – es ermöglicht ihm auch zu seiner Frau und seinem drei Jahre alten Sohn Kontakt zu halten, wenn sie ihn nicht auf seinen Reisen begleiten.

Stefan Forster im Interview


Kommen Dir bei den riskanten Reisen manchmal Zweifel, gerade mit Deiner jungen Familie? 

Stefan Forster: Ich überlege mir schon sehr genau, welche Risiken ich eingehe und plane meine Expeditionen sehr akribisch. Doch ja, ich gehe bis zu einem gewissen Punkt Risiken ein und manche Umstände kann ich einfach nicht beeinflussen. Aber die Landschaftsfotografie ist meine Berufung. Ich kann nicht anders – dafür lebe ich.   

Welchen Stellenwert hat Bildbearbeitung für Dich?

Ich lehne jede Art der Bildmanipulation ab. Die Natur beschert uns so unfassbare Augenblicke mit nahezu überirdischen Farben und Lichtstimmungen. Und diese will ich erleben und festhalten. Die Heldin meiner Bilder ist die Natur und nicht der Fotograf. Meine Aufgabe ist es lediglich, dem Betrachter zu zeigen, wie wunderschön unser Planet ist und was es zu schützen gilt. Manipulierte Fotos nehmen dem Ganzen die Besonderheit und Authentizität.  

Bearbeitest Du Deine Bilder gar nicht?

Doch natürlich bearbeite ich meine Bilder. Bildbearbeitung fängt schon bei der Aufnahme an: Ich versuche immer, meine Bilder durch den Einsatz von Pol-, Grau- und Grauverlaufsfiltern schon so zu fotografieren, dass das Histogramm perfekt aussieht. Am PC werden die Bilder dann noch in Lightroom optimiert. Meine Optimierung beinhaltet jedoch, und dazu stehe ich, einzig aus dem globalen und partiellen Anpassen von Helligkeiten (Verlaufsfilter, Radialfilter, etc.).

Du bist seit 2017 Global ColorEdge Ambassador von EIZO. Welche Bedeutung hat der Monitor in Deinem Bildbearbeitungs-Workflow?

Der Monitor ist der zentrale Bestandteil meiner digitalen Dunkelkammer. Nur ein kalibrierter Grafikmonitor zeigt mir die Datei so, wie sie tatsächlich aussieht. Und nur, wenn das erfüllt ist, habe ich eine Chance, dass meine Bilder als Ausdruck oder in meinem Buch auch so aussehen, wie ich sie am Bildschirm gesehen habe. Ausserdem ist mir sehr wichtig, dass meine Monitore über die komplette Fläche absolut homogen sind und den kompletten Adobe-RGB-Farbraum abdecken. Denn gerade in den in der Naturfotografie besonders wichtigen Blau- und Grüntönen bietet der Adobe- RGB-Farbraum erheblich mehr Farben als der sRGB-Farbraum. Erst mit einem sogenannten Wide-Gamut-Monitor kann ich das volle Potenzial meiner Fotoausrüstung ausnutzen und die spektakuläre Farbenpracht der Natur festhalten.

Welche Monitore nutzt Du aktuell? 

Ich nutze EIZO schon seit zwölf Jahren. Am meisten arbeite ich aktuell am ColorEdge CG318-4K. Der Monitor bietet mir mit seinen 31 Zoll richtig viel Platz und die 4K-Auflösung eine wahnsinnig gute Schärfe. Und dank dem eingebauten Kalibrierungssensor kann ich mich darauf verlassen, dass der Monitor immer perfekt kalibriert ist.

Was hast Du als nächstes vor?

Ich bin völlig geplättet vom extremen Erfolg meines ersten Bildbands «Chasing Light» – schon nach drei Wochen war die erste Auflage vergriffen und es musste die zweite Auflage gedruckt werden. Dieser Erfolg motiviert mich, an einem weiteren Buch zu arbeiten. Zudem werde ich 2018 erstmals mit Explora durch die ganze Schweiz touren mit meiner neuen Diashow «Im Reich der Lichter». Derselbe Vortrag wird auch auf der Mundologia in Freiburg zu sehen sein. Ansonsten verfolge ich mein gleiches Ziel wie immer: das Portfolio stetig vergrössern und den Menschen die Schönheiten der Natur zeigen.  

Über Stefan Forster

Der Naturfotograf Stefan Forster ist sechs Monate im Jahr in der Welt unterwegs. Den Rest des Jahres betreibt er eine Fotoakademie in Wil (SG). Im Sommer 2017 erschien sein erster Bildband «Chasing Light». Darin sind 160 der schönsten Fotos von Stefan Forster zu bestaunen.